Branchenkenner sehen im Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) immense Chancen – besonders auch für die Logistik. Erhalten Sie im Video-Interview mit Nicole Büttner, Gründerin des KI-Start-ups DataQuotient, Einblicke in den Anwendungsbereich von KI und darin, wie SEVEN SENDERS mit KI umgeht. Erfahren Sie außerdem vom VDE-Experten Dr. Sebastian Hallensleben, wie KI funktioniert und wo die zukunftsweisende Technologie steht. Von Ina Kaifi





Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt in der Automatisierungsindustrie immer mehr an Bedeutung, und Branchenkenner messen der Technologie einen hohen Stellenwert bei: den nächsten Entwicklungsschritt der Industrie 4.0. Aber was genau verbirgt sich hinter dem Begriff? „Das größte KI-Missverständnis ist, dass sie die menschliche Intelligenz nachbilden kann. Das ist irreführend“, erklärt Dr. Sebastian Hallensleben, der beim Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik e.V. (VDE) den Bereich künstliche Intelligenz unter seiner Obhut hat. Was genau kann KI dann?



Gute Erkennung von Mustern

Besonders gut: Muster erkennen – sei es, Katzenbilder von Hundebildern zu unterscheiden, Gesichter zu erkennen oder gewinnträchtige Spielzüge im Schach zu identifizieren. Oder Zusammenhänge zwischen den Betriebsdaten und der Qualität der Endprodukte in einer Fertigungsstraße zu finden. Denn in den neuronalen Netzwerken, die dem menschlichen Gehirn nachempfunden sind, können miteinander verknüpfte Neuronen computerbasierte Lösungen finden – mithilfe von Algorithmen. „Algorithmen kann man sich vorstellen wie Kochrezepte für den Computer“, erklärt der KI-Experte. Handlungsanweisungen für den Rechner also. „Sie erkennen anhand von Datensätzen Muster und können dann auch für neue, bisher unbekannte Daten Aussagen treffen.“ Mit komplexen Aufgaben, wie etwa dem Lösen von Rätseln, ist KI überfordert.



KI in der Logistik: schneller und besser als der Mensch

In der Logistik spielt KI zunehmend eine Rolle. Denn zwei Dinge sind hier gewährleistet: Es geht genau darum, Muster zu erkennen und diese für Planungen sowie für Vorhersagen zu nutzen. Außerdem liegen in der Supply Chain große Mengen an Daten vor. Von Verkehrsaufkommen über Wetterverhältnisse und was für Produkte Kunden präferieren – all diese Informationen werden in die neuronalen Netzwerke eingespeist. So können passgenaue Vorhersagen getroffen werden: Welche Pullover sollten wann wo vorrätig sein? Wie ist das ideale Routing? Wann kommt das Paket voraussichtlich beim Kunden an? „Das könnte im Prinzip auch ein Mensch herausfinden, aber der Mensch ist mit den großen Datenmengen letztlich überfordert. KI kann ihm diese Arbeit abnehmen und ist einfach schneller“, so Hallensleben.



KI bei Seven Senders

Den Kunden von SEVEN SENDERS – europaweit versendende E-Commerce-Händlern – brennt ein Bereich besonders unter den Nägeln: dass das Paket zum versprochenen Zeitpunkt ankommt. Wie Studien belegen, vertrauen Kunden Händlern, auf die sie sich zum Thema Lieferzeitpunkt verlassen können. Läuft alles nach Plan, bestellt der Kunde wieder.
Mit dem Start-up DataQuotient baut SEVEN SENDERS die Algorithmen. Dafür werden die Daten der Europaweiten Sendungen gesammelt, ausgewertet. Auf diese Weise kann die Delivery-Plattform Händler nicht nur mit lokalen Lieferdiensten verbinden, sondern ihnen in Zukunft auch die genaue Ankunftszeit der Pakete liefern. So können Händler ihr Versandversprechen auch im europäischen Ausland noch besser einhalten und ihre Performance als Chance zur Differenzierung für einen Wettbewerbsvorteil nutzen können.


„Bringen Sie Experimentiergeist mit!“
– Das Video-Interview mit Nicole Büttner



Deutschland hintendran? Ein Vorurteil!

Dass Deutschland bei der Entwicklung von KI hinterherhängt, wie oft proklamiert wird, bestätigt Dr. Sebastian Hallensleben nicht. „Man muss das differenziert betrachten.“ Denn es gibt ganz unterschiedliche KI-Modelle: „In Hinblick auf KI, die auf großen Datenmengen basiert, sind Länder wie China weit entwickelt“, sagt der VDE-KI-Fachmann. „Aber in den KI-Bereichen, die mit wenigen Daten auskommen müssen, sind wir in Deutschland durchaus konkurrenzfähig.“ Denn Deutschlands Datenschutzregelungen sind – etwa im Vergleich zu denen in China – streng, sodass oftmals nur geringe Mengen zur Verfügung stehen. Ähnlich ist die Situation für Daten aus seltenen, aber schweren Unfällen. Aber auch in diesem Fall kann KI sehr effektiv sein.



Mit kühlem Kopf zur künstlichen Intelligenz

Unternehmen, die den Schritt in die neuronalen Netzwerke tun wollen, empfiehlt Hallensleben, wie auch die KI-Start-up-Gründerin Nicole Büttner, den ersten Schritt zu wagen.
Sie sollten die Technologie als ein Werkzeug betrachten – mit Stärken und mit Schwächen. Vor allem aber bräuchten sie keine Angst vor KI zu haben. Denn die herrscht noch in vielen Köpfen vor. „Schon vor langer Zeit haben Menschen befürchtet, dass neue Technik ihnen die Jobs wegnehmen könnte“, sagt er. Und das ist auch passiert. Aber: „Dafür sind neue – oft bessere – Jobs entstanden.“



Unsere Interviewpartner

Nicole Büttner: Die Gründerin der Consulting-Firma und Expertenplattform DataQuotient, Nicole Büttner, berät mit ihrem Team Unternehmen, die künstliche Intelligenz für ihre Geschäftsmodelle nutzen möchten. Büttner hat an der Universität St. Gallen, der Stockholm School of Economics und Stanford University Wirtschaftswissenschaften studiert. Sie hat sich zudem als Speakerin zu KI und Data Analytics einen Namen gemacht. Außerdem ist politisch aktiv und setzt sich als Alumni an der Universität St. Gallen ein.
Weblink: www.dataquotient.net
Kontakt: nb@dataquotient.net

Dr. Sebastian Hallensleben ist Portfoliomanager für Digitalisierung und KI beim VDE – Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik e.V., einem der großen wissenschaftlich-technischen Fachverbände Europas. Er leitet in einer Doppelspitze mit Frankreich die CEN-CENELEC AI Focus Group auf EU-Ebene und international in einer ähnlichen Konstellation mit China die IEC SEG 10 „Ethics in Autonomous and Artificial Intelligence Applications“.
Weblink: www.vde.com/pdt
Kontakt: sebastian.hallensleben@vde.com